Körperbezogene Interaktionstherapie (KIT)

Von einer Körperkontaktstörung betroffene Säuglinge und Kinder können sich nur schwer oder gar nicht auf Körper- und/oder Blickkontakt mit einer vertrauten Person einlassen. Oft kann der Körperkontakt nur in Verbindung mit Bewegung oder anderen "Ablenkungen" wie z.B. singen oder erzählen stattfinden, bzw. nur solange das Kind den Körperkontakt unter Kontrolle hat.

Die betroffenen Säuglinge/Kinder können sich z.B. schlecht beruhigen, schaffen es selten sich selber zu beschäftigen, freuen sich weniger bei Lob, reagieren kaum auf Grenzsetzung im Alltag und suchen sich  Aufmerksamkeit häufig über Machtkämpfe.  Oder sie sind sehr stark auf der Suche nach positivem Feedback, viel Bestätigung und sind sehr sensibel.

Häufig haben diese Kinder es schwer Freundschaften zu knüpfen, ziehen sich eher zurück oder gehen in den Widerstand.

 

Der Wunsch nach Körpernähe ist ein genetisches Grundbedürfnis des Menschen in jedem Alter. Das Kind erfährt über Blick- und Körperkontakt eine positive Beziehung, erlebt Wohlbefinden und baut tiefes Vertrauen auf, was eine Grundvoraussetzung für eine gesunde Entwicklung ist.

Es ist zudem eine Voraussetzung für jegliches Lernen, da Lernen auf eine gesunde Beziehungsfähigkeit basiert. Dieses Grundbedürfnis kann bei einigen Kindern aufgrund ungünstig abgespeicherter Erfahrungen nicht erfüllt werden und das auch obwohl die Eltern liebevoll und einfühlsam dem Kind gegenüber sind.

 

Die Folgen können sich auf alle Lebensbereiche auswirken und zu Lernstörungen, Störungen des Sozialverhalten und der Eltern-Kind Beziehung führen. Die Kinder haben oft eine innere Not, neigen zu Depressionen oder aggressivem Verhalten.

Dieses kann die Lebensqualität bis ins hohe Erwachsenenalter erheblich beeinträchtigen.

 

In der körperbezogenen Interaktionstherapie wird das Kind behutsam mit Nähe zur Bezugsperson (Eltern) unter therapeutischer Anleitung konfrontiert, lernt  sich wieder positiv auf Körper- und Blickkontakt einzulassen und diese zu genießen.

Die Kinder können sich im Körperkontakt entspannen, lernen das Gegenüber genau anzuschauen und erfahren dadurch eine sichere Bindung und Vertrauen.

Es erfolgt eine kognitive Umstellung, sowie eine erhöhte Ausschüttung des Hormons Oxytocin, welches eine wichtige Rolle bei der Stressregulierung, Förderung der Bindung, Aufbau von Vertrauen und sozialer Kompetenz, spielt.

 

KIT ist häufig indiziert bei:

  • Regulationsstörungen im Säuglingsalter (z.B. exzessivem Schreien)
  • Frühgeburt
  • Autismus
  • AD(H)S
  • Verminderter Beziehungsaufnahme bei Pflege- und  Adoptivkindern
  • Traumatisierungen
  • Oppositionellem Verhalten
  • Schwierigkeiten beim Lernen, z.B. fehlende Konzentration und Ausdauer, obwohl das Kind kognitiv sehr "fit" ist
  • Schwierigkeiten soziale Kontakte aufzunehmen und Bindung einzugehen

-> allgemein Kindern, die nicht gerne kuscheln und sich keine Nähe und Sicherheit bei den Bezugspersonen suchen

 

Die Körperbezogene Interaktionstherapie ist keine Kassenleistung.

 

In meinem Buchtipps finden Sie einen Link zu dem Buch "Fähig zum Körperkontakt", aber auch "Warum Babys weinen" oder "Auch kleine Kinder haben großen Kummer-Über Tränen, Wut und andere starke Gefühle" sind sehr hilfreich.

Unter http://intraactplus.de/index.php?id=77  finden Sie die Beobachtungsmerkmale für Säuglinge, Kinder und Erwachsene zum Ausdrucken und selber überprüfen, ob eine Körperkontaktstörung vorliegt.